Maturity Assessment

Jonas bereitet nach dem Abschluss eines ersten Datenvorhabens das nächste vor. Er weiß, dass die Datenqualität durchgehend ein Problem war. Er weiß, dass Rollenunklarheiten in der Mitte des Projekts Zeit gekostet haben. Er weiß, dass der rechtliche Klärungsbedarf früher hätte adressiert werden sollen. Aufgeschrieben hat er das nicht. Das nächste Vorhaben wird mit denselben Annahmen geplant wie das erste: gleiche Zeitschätzungen, gleiche Erwartungen an die Fachbereiche, gleiche Zuständigkeiten. Beim Auftaktgespräch tauchen dieselben Fragen auf wie vor zwölf Monaten.
Was das erste Projekt über den Reifegrad der Organisation gelernt hat, ist nirgends festgehalten.
Was dieses Werkzeug tut
Das Maturity Assessment ist eine strukturierte Selbstbewertung nach Abschluss eines Use-Case-Zyklus. Es wird erfasst, was tatsächlich gelebte Praxis ist. Es durchbricht den Kreislauf, der oft beschrieben wird: schlechte Datenqualität verhindert Auswertungen, aber ohne Auswertungen wird schlechte Datenqualität nicht sichtbar und ohne Sichtbarkeit wird sie nicht behoben. Das Ergebnis ist ein Reifegradprofil, das realistisch benennt, was als nächstes angehoben werden muss, damit das nächste Vorhaben gelingt; nicht als Idealbild, sondern als ein ehrlicher Ausgangspunkt.
So wird das Werkzeug angewendet
Das Assessment bewertet nicht die Verwaltung im Abstrakten, sondern die Fähigkeiten, die in dem abgeschlossenen Use Case sichtbar geworden sind. Beurteilen sollten die Personen, die tatsächlich mit dem Use Case gearbeitet haben: Projektleitung, beteiligte Fachbereiche, IT und, wo eingebunden, der GovTech Partner.
Die Vorlage bündelt die Fragen in drei Module: Modul 1 „Organisatorische Anschlussfähigkeit” fragt, von welchen bereits vorhandenen Strukturen der Use Case profitieren konnte (strategische Einbettung, Rollen und Entscheidungswege, Datenbeschreibungen, Verfahren für Recht und Sicherheit, Infrastruktur). Modul 2 „Verstetigung” fragt, ob der Use Case wiederholbar und dauerhaft betreibbar ist. Modul 3 „Transferwirkung” fragt, was heute außerhalb des ursprünglichen Projekts genutzt wird. Kreuzen Sie je Frage die Stufe von 0 bis 4 an, die der beobachtbaren Praxis am nächsten kommt.
Übertragen Sie auf Seite 2 die eingetragene Stufe je Frage. Ein Modul erreicht die Schwelle nur dann, wenn jede bewertete Frage mindestens Stufe 3 erhalten hat. Stufe 3 ist die erste Stufe, auf der eine Fähigkeit nicht mehr von einzelnen Personen oder vom Einzelfall abhängt. Es werden bewusst keine Durchschnitte gebildet, eine 4 kompensiert keine 1.
Für jedes Modul nennt die Vorlage drei empfohlene nächste Schritte, die greifen, wenn die Schwelle nicht erreicht wurde, etwa Strukturbestand und Lücken dokumentieren, Verantwortlichkeiten samt Vertretung festlegen oder nachnutzbare Bausteine aktiv übergeben. Wählen Sie daraus aus, was für Ihr Ergebnis trägt.
Wirkung im Gesamtprozess
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Adressierte Barrierenkreisläufe
Direkt adressierte Barrieren (●) und indirekt unterstützte Kreisläufe (○) aus dem ÖPGV-Whitepaper.
Ohne strukturierte Diagnose bleibt unklar, in welchen Dimensionen Entwicklungsbedarf besteht und welche nächsten Schritte realistisch sind. Das Assessment identifiziert gezielt, welche Engpass-Dimension als nächstes adressiert werden muss.
Ohne Rückkopplung aus der Praxis können Datenstrategien nicht iterativ weiterentwickelt werden. Das Assessment liefert die strukturierten Erkenntnisse, auf denen strategische Anpassungen nach jedem Use-Case-Zyklus beruhen.
Technische Defizite bleiben unbearbeitet, weil der Zusammenhang zwischen IT-Reife und operativer Wirksamkeit nicht sichtbar ist. Das Assessment bewertet technische Infrastruktur und macht ihren Einfluss auf das Gesamtsystem transparent.
Schlechte Datenqualität verhindert Auswertungen, aber ohne Auswertungen wird schlechte Datenqualität nicht sichtbar und deshalb nicht behoben. Das Assessment bricht diesen Kreislauf, indem es nach jedem Zyklus benennt, was strukturell verändert werden muss.
Das Maturity Assessment ist das einzige Werkzeug, das nach einem Use Case alle sechs Barrierenkreisläufe gleichzeitig diagnostiziert und damit strategische Prioritäten für den nächsten Zyklus setzt.